Montag, 28. September 2015

Blutmond und Supermond

oder ...

Kopf hoch #1

Früh aufstehen ist so gar nicht mein Ding, schon gar nicht mit Weckerunterstützung! Deshalb hatte ich überhaupt nicht vor mir das angekündigte Spektakel am Nachthimmel anzuschauen - eine totale Mondfinsternis bei einem Mond, der so nahe an der Erde steht wie möglich und dann noch in den Morgenstunden!


Wenn da nicht meine Wehwehchen wären, die mich seit gut einer Woche wieder ordentlich plagen und diese Nacht erneut aus dem Bett holten. So saß ich, warm eingepackt, die Hände an einer Tasse Tee wärmend, einmal mehr auf dem Balkon.
Was für ein herrlicher Sternenhimmel! Orion und das Sternbild des Stiers kündigen den Herbst an. So wandert mein Blick weiter in Richtung Westen und dann vergesse ich beinahe jedes Zwicken und Zwacken: Oh! Ah! Herrlich! Faszinierend! Und irgendwie schaffe ich es zwischen meinen innerlichen Bewunderungsausrufen (ich will ja nicht die Nachbarn wecken!) das Stativ aufzustellen und das 300mm-Objektiv an die Kamera zu bringen. So früh am Morgen und bei der Kälte will mein Bewegungsapparat nur unwillig so wie ich wohl will!

Aber dann, Kopf hoch und schauen, knipsen, schauen, ... sich einfach freuen, das Schauspiel genießen. Es ist ungefähr 4.10 Uhr.




Es ist ungefähr zehn Minuten vor fünf Uhr. Die Schmerzen sind weg und die Augen fallen mir wieder zu. Höchste Schlafenszeit. Der verfinsterte Mond steht jetzt blutrot im Westen und wird demnächst zwischen den Häusern verschwinden.


Nichts wird es mit Schlafen. Kaum liege ich zwickt und zwackt es wieder. 5.30 Uhr gebe ich auf, schaue was der Mond jetzt macht. Langsam schaffen es die Sonnenstrahlen wieder ihn zum Strahlen zu bringen.




Der kleine Lichtfleck am unteren Rand ist kein Stern sondern ein Flugzeug! ;-)

Ab jetzt heißt es drei Jahre warten bis zur nächsten totalen Mondfinsternis am 27. Juli 2018. Bis dahin muss uns der "normale" Vollmond reichen.


Er bleibt, mit Katerchen, mein treuer Begleiter, wenn die Nächte mal nicht so sind wie sie sein sollten: erholsam. Doch Kopf hoch, es wird schon wieder!

Ansonsten und zur Info: Meine Fotos durchlaufen kein Photoshop. Ok, ich schneide, richte gerade, retuschiere mit iPhoto die Fussel raus (wenn ich sie sehe) und passe die Größe an den Blog an. Mehr mache ich nicht! Ich bin (beinahe) so mit der Kamera unterwegs wie vor 35 Jahren während meiner Ausbildung.
Früher machte ich mir ewig Gedanken um Kameraeinstellungen um Experimente in der Dunkelkammer zu vermeiden, bzw. um dort keine Minute länger ohne Fenster und offener Tür zu verbringen als nötig.
Heute mache ich mir Gedanken um Kameraeinstellungen um Experimente in Bildbearbeitungsprogrammen zu vermeiden, bzw. um nicht mehr Zeit am Computer zu verbringen als nötig.
Wenn das Bild meinen Moment eingefangen hat bin ich zufrieden und mir ist es egal, ob ich mehr aus der Aufnahme hätte herausholen können.





Freitag, 25. September 2015

Birnenkonfekt und Birnen-Karamell-Apfel-Gelee

oder ...

Wie Streuobst von der Schulwiese die Augen strahlen lässt

... aus dem Bauch heraus zusammengeköchelt, gekostet, Augen geschlossen, aufgeseufzt: "Himmlisch!"


Oh wie gerne würde ich jetzt meine ehemalige Schulleiterin, meine "Chefin" (wie ich sie bis zuletzt nannte) anrufen oder bei ihr vorbeifahren um sie probieren zu lassen, von den ersten Produkten aus einem ihrer Herzensprojekte, der Streuobstwiese vor unserer Schule.


Manche Projekte brauchen Zeit bis sie Früchte tragen.
Manche Krankheiten nehmen Menschen aus dem Leben bevor sie die Früchte ernten können.


Von den vor fünfzehn Jahren gesetzten zwölf Bäumchen haben es vier geschafft sich zu Bäumen auszuwachsen, allerdings bisher fruchtlos.


Entsprechend überrascht war ich nach diesem Schuljahresbeginn bei einem Nachhauseweg, als ich die Minibirnen unter einem der Bäume entdeckte!


Ich konnte nicht anders als mich bücken und einsammeln, was da rund um dem Stamm lag. Es stellte sich die Frage, wie es bei den anderen Bäumen aussieht:
Baum 2 = Fehlanzeige
Baum 3 = 1 Äpfelchen (lecker!)


Baum 4 = Äpfel!, leider viele schon in der Weiterverarbeitung von Fliegen, Maden, Wespen & Co.


Aus den knapp 2 kg Minibirnen und 2 kg Äpfeln, die ich in meiner Euphorie zusammengesammelt hatte, blieben nach dem Entsaften 1500 ml Saft in einer Konsistenz, die ich so noch nicht hatte. Selbst ohne Zuckerzusatz fiel der Apfel-Birnensaft in die Kategorie 'trinkbar' und stand kurz vor dem Gelieren. Und das aus Äpfeln und Birnen, die im Rohzustand alle Geschmacksknospen auf ein Minimum zusammenziehen!


Den nächsten Tag sammelte ich wieder ca. 400 g Birnchen ein und ich bin mir inzwischen sicher, das es Palmischbirnen sind, auch wenn unser Bäumchen noch recht klein ist. Diese Birnen versaftete ich nicht. Ich packte sie auch nicht in den Dörrautomat, denn dort liegen schon seit Stunden eine Handvoll, ergebnislos. Ohne irgendeine Vorstellung vom Kandieren zu haben beginne ich einfach, ohne Rezept und überhaupt:

Kandierte Minibirnen

400 g Minibirnen
500 g Zucker
1 l Wasser
1/2  Zitrone
50 g Feinzucker

Die gewaschenen Birnen werden mit dem Zucker und dem Wasser zum Kochen gebracht. Danach die Kochtemperatur herunterschalten, dass die Birnen langsam im Sud simmern und die Kochflüssigkeit nach und nach verdampfen kann.


Nach ca. 2 Stunden die Birnen im Sud vom Herd nehmen und, über Nacht, stehen lassen.
Nach der Ruhezeit die Birnen im Sud langsam wieder zum Kochen bringen und die Temperatur herunterschalten. Die Zitrone ausdrücken und zu den Birnen geben.
Jetzt so lange köcheln lassen bis der Sud Blasen schlägt.

Vorsichtig eins der Birnchen aus dem Sud holen, etwas auskühlen lassen und probieren.
;-) Jetzt schon lecker!
Die Temperatur noch weiter herunterschalten, dass gerade noch ein paar Blasen aufsteigen. Die Birnchen sollten jedoch noch in Flüssigkeit liegen und nichts sollte anbrennen!!!

Die Birnchen aus dem Sud nehmen (bei mir blieben 300 ml Sud übrig) und einzeln auf ein gezuckertes Backpapier zum Auskühlen legen. Nach dem Auskühlen noch etwas Zucker darüber streuen und ganz weit wegpacken, sonst schaffen sie es nicht bis zum Verschenken!



Karamellisiertes Apfel-Birnen-Gelee

1500 ml Saft von Äpfeln und Birnen (heiß entsaftet)
500 g Gelierzucker 2:1
300 ml Sud von den kandierten Minibirnen
20 noch heiße kandierte Minibirnen

Den kalten Saft mit dem Gelierzucker mischen. Kurz vor dem Kochen den restlichen Sud von den kandierten Minibirnen dazugeben und alles aufkochen.
In die heiß ausgespülten Gläser ein bis zwei kandierte Minibirnen geben und mit dem flüssigen Gelee auffüllen. Die Gläser schließen und ca. 30 Minuten auf den Deckel stellen und dann umgedreht weiter auskühlen lassen.






Die nächsten 600 g Birnen liegen im Topf. Auf dem Bäumchen hängen noch ein paar. Die GPS-Koordinaten behalte ich für mich! ;-)


Sonntag, 13. September 2015

12 von 12 im September

oder ...

Urlaubsende und Ferienende

... was soviel heißt wie Koffer leeren, Wäsche waschen, Schultasche packen, eben lauter unangenehme Dinge. Deshalb muss dieser Tag noch einmal richtig ruhig angehen.

Atmen.

Egal, wenn ich an der Post eine Minute nach Schalterschluss stehe um ein Paket abzuholen, die Tür aber schon geschlossen ist und zuhause das Folgepaket ankommt, in meiner Abwesenheit. Ich kann es sowieso nicht ändern.
Tiefenentspannt sein, bitte!

Atmen.

Aber muss die Dame so unentspannt auf ihre Armbanduhr tippen?

Der Kater blockiert in der Zwischenzeit den leeren Koffer, damit auch ja nichts wieder dort hinein gepackt wird! Drei Wochen Sonderprogramm ohne mich muss er erst noch verzeihen.


Die Waschmaschine und der Trockner drehen sich. Die saubere Wäsche bleibt noch stehen. Ob sie zur Bügelwäsche wird sehe ich morgen.

Durchatmen.


Auf dem Balkon meuchelt meine Sweatshirt-Jacke nach der zweiten Wäsche immer noch Basstölpel-Pipi aus. Ich habe über meine Vogel-Rettungsaktion berichtet.

Nicht atmen. Es stinkt.


Im Schulgarten für Ordnung gesorgt und Löwenzahnwurzeln ausgegraben - vielleicht zum Wolle färben?!
War anstrengend.
Der Atem beruhigt sich langsam.


Den versehentlich entfernten Rucola nahm ich mir als Blumenersatz fürs Wochenende mit in die Küche.
Der braucht keine Luft, nur Wasser.


Ah, da liegt ja auch der Brotstempel, den mir eine Kollegin aus Usbekistan mitgebracht hat. Bisher nicht ausprobiert setze ich frischen Sauerteig an.
Der muss noch fleißig Luft herstellen!


Beim Leeren des Briefkastens doch noch, außer "Sie waren nicht zuhause-Paketzettel" entdeckt - eine Postkarte von meiner Nichte und Post aus Island - ahhh! Die "Kaleo"-CD ist angekommen. YES!
Leider sind meine CD-Player im Auto und meiner Stereo-Anlage arbeitsunwillig - grr!



Ebenso unkooperativ wie die CD-Player ist Kater Chewie beim Fotografieren der anderen Reisemitbringsel.
Ah, Federn, Wollfasern - männo, da muss doch geschnuppert und (Luft) gepustet werden!


Also kümmere ich mich um den Papierkram, den ich jedoch nicht allzu weit wegräume. Die nächste Reise kommt bestimmt!
Tief Luft geholt und nach Schokolade zum trösten gesucht


Zum Schluss das ultimative tolle Ferienendprogramm mit einer Freundin gehabt und auf einem Open-Air-Konzert die Fantastischen Vier erlebt.
Abgetanzt und mitgesungen, bis uns die Luft ausging!


Und nach dem HipHop-Feuerwerk der Fanta 4 noch ein unerwartetes mit raucht und stinkt und Farbenspiel am Nachthimmel bekommen! Super!!

Danke Carmen, für das Bild!
 
12 von 12 ist eine Blogpostreihe, die Caro von "Draußen nur Kännchen" am Leben erhält. Es geht darum am 12. jeden Monats mit 12 Bilder seinen Tag zu schildern. Mehr 12von12-Geschichten gibt es hier!

Danke Caro, dass du nicht kurz nach 24.00 Uhr die Schotten dicht gemacht hast ;-) wie die Post um 12.31 Uhr. So konnte ich in Ruhe meinen Computer beim Laden der Bilder zicken lassen und trotzdem noch dabei sein!









Freitag, 11. September 2015

Island - einmal rundherum #6

oder ...

Der letzte Tag! Zum Abschluss Reykjanes, der goldene Kreis oder Reykjavik?

Das vorletzte Quartier auf Island hat so viel Platz, dass ich beschließe SuzieQ zu entrümpeln und alles nicht mehr benötigte an Ausrüstung wegzuwerfen oder in die Reisetasche zu packen.
Gute Idee!
Grundsätzlich.
Klappte zu 99,9% auch super, bis ich Hvolsvöllur verließ.
Mit jedem Kilometer weiter weg verringerte sich die Erfolgsbilanz, leider, DENN , ... , MannMannMann, so was kann sich doch nicht in sooo kurzer Zeit wiederholen?!
Zwanzig Jahre lang war ich die Oberfindefachkraft für die Verlustsachen meine Kinder! Wenn gar nichts mehr ging wurde die Oma angerufen, sie fragte dann den Heiligen Antonius um Hilfe. Zwanzig Jahre lang erzählte ich meinen Kindern, wie verlieren, verlegen, verschusseln verhindert werden kann. Beide Kinder haben es besser im Griff als ich. So sieht's aus!

Doch zuerst fing der Tag so richtig gut an.

Sonne! Super!
Alles passt(e)!
Für den letzten Tag nach drei Wochen Island hatte ich mir eine Abschlussrunde "raucht und stinkt" auf der Halbinsel Reykjanes vorgestellt, ebentuell mit einem Bad in der blauen Lagune, um hinterher noch ein wenig Zeit beim shoppen in Reykjavik zu verbringen. Im Gästehaus dort hatte ich mich für 16:00 Uhr angemeldet.

Ich bin tatsächlich nachmittags um vier im Gästehaus, allerdings nur so lange bis sich meine Ahnung, wieder einmal etwas irgendwo vergessen und liegen gelassen zu haben, ich weiß irgendwann auch was ich vergessen habe (ohne zu suchen!), bestätigt!
Details später.

Ein wunderbarer Tag!
Spaßeshalber biege ich immer wieder mit SuzieQ für kurze Abstecher von der 1 in Nebenstrecken, die Schotter versprechen, ab.  Ehe ich mich versehe bin ich auf dem Weg zum Geysir und dem goldenen Kreis, den ich dieses Mal eigentlich links liegen lassen wollte. Hmm. Allerdings hatte ich all dieses bisher immer kalt und verregnet gesehen, da macht es Sinn weiterzumachen.

Strokkur, herrlich. Gulfoss, wunderschön. Þingvellir, ich will hier nicht weg, muss ich trotzdem abkürzen, denn es ist schon früher Nachmittag.

Raucht und stinkt am Strokkur
Faszinierend auch zu beobachten, wie andere beobachten. In der Summe wird nicht geschaut sondern auf Smartphone-, Tablet- und Kamerasichtfeldgröße reduziert fokussiert. Ich stecke die Kamera weg ...

... und komme beim Wegstecken dann zu einem unbeabsichtigten Schnappschuss aus der Hüfte. :D


Gulfoss, ich liebe diesen Wasserfall. Dettifoss plus Selfoss sind keine Frage toll und überwältigend (aber ich habe dort meine Schuhe vergessen!), und ich bin gespannt, wie sie sich mit besserer Rundumsicht das nächste Mal zeigen werden. Ich gebe ihnen eine Chance.
Vielleicht bin ich gerade auch ein wenig ungerecht, weil an diesem Tage einfach das Wetter stimmt!


 

Unterwegs musste ich die Touristenmengen aufhalten, Raupe fotografieren und retten. Raupe im schwarzgelben BVB-Outfit!! Cool män!


Ein paar Meter weiter machen Wind, Sonne und Konstanze mit Polfilter noch dieses Bild, um mich herum noch mindestens soviele andere Touristen, wie in zwei Busse passen. Geteilte Freude!

Gulfoss


Im Þingvellir

Bei einem letzten Blick auf die Gegend weiß ich, dass es eine gute Entscheidung war diese Runde am letzten Tag zu drehen. Noch einmal Natur pur erleben, wie ich sie drei Wochen erleben durfte. Noch einmal ganz tief Luft holen, die Ruhe genießen, eine Träne laufen lassen, mich vom Land verabschieden.






Graugänse kurz vor dem Abflug, wie ich!


In Reykjavik hat sich die Sonne hinter Wolken versteckt und mich erschlagen erst einmal die Baustellen in der Innenstadt.




Baustellen mit Sólfar im Hintergrund



Egal. Es ist warm genug zum draußen sitzen und ich freue mich auf eine Tasse Kaffee mit einem Stück Kuchen. Doch zuerst einmal das Auto leeren und fertig packen. Meine eigenen Besitztümer sind bis auf das irgendwo zwischen den Westfjorden und Askja liegen gelassene Handtuch komplett.

Es fehlt jedoch tatsächlich etwas. Meine Ahnung bestätigt sich nach einem Anruf. Das bei der Autovermietung geliehene, nicht funktionierende, mobile Wifi-Gerät liegt in Hvolsvöllur!


Das war's dann mit Kaffee, Kuchen und shoppen. Dafür reihe ich mich in den Feierabendverkehr von Reykjavik ein - ja, es gibt auch Staus in Island! - schaue mir noch einmal die Gegend an - außerhalb von Reykjavik scheint tatsächlich die Sonne - und kaufe in Selfoss noch ein paar Kleinigkeiten für die lieben Kater- und Wohnungshüter zuhause ein. Drei weitere Stunden auf der Straße.

Für Reykjavik bleibt nur ein kurzer Spaziergang, ein leckeres Abendessen in einem neuen türkischem Restaurant. Freitag ist abends ab 21.00 Uhr fast nirgendwo mehr ein ruhiger Platz zum Essen zu finden und es war sehr lecker, Preis-Leistung super, ich glücklich und spätestens auf meinem Um-Weg zum Quartier über die Uferstraße Sæbraut und der Skulptur Sólfar wieder mit mir im Reinen.


Sólfar

Abflugtag

Zum Glück werden mir am nächsten Tag bei der Autoabgabe die Kosten für das verflixte Wifi-Ding erstattet - das nächste Mal muss ich mir eine andere Lösung fürs Internet einfallen lassen.

Noch ein letzter Schlenker ab von der Route bevor ich mich von SuzieQ verabschieden muss, entlang der Wellness-Bade-Anlage "Blaue Lagune". Es regnet, keine Sicht, was sonst. ;-)

An der Blauen Lagune

Das letzte Bild am Flughafen Keflavik, kurz bevor ich durch die Sicherheitskontrolle gehe. Einfach noch einmal tief Luft holen.


I still haven't found what I'm looking for!
Aber ich bin ganz nah dran!

Meinereine drei Wochen alleine 5000 km im Auto unterwegs in Island ist zuende.
Drei Wochen ohne Radio, Fernsehen, Nachrichten, ...
Drei Wochen mit wunderbaren Menschen, vielen interessanten Gesprächen und dazu die grandiosen Eindrücke, die die Natur so bietet.

Bevor ich nun den Computer abschalte höre und schaue ich mir noch ein/zwei Videos einer isländischen Band an, deren Musik mich all die Tage in Tankstellen, Geschäften, Gästehäusern, Hotels begleitet hat:

Kaleo - Way down we go (Live in a volcano)
Kaleo - I can't go without you

Eine Überarbeitung, eine Zusammenfassung zur Route, den Kosten und eine Reihe Tipps sind in Planung.







Sonntag, 6. September 2015

Island - einmal rundherum #5

oder ...

Islands Süden


Langsam lässt sich das Ende der Reise fühlen. Erste, mir schon bekannte, Landschaften tauchen vor mir auf. Nur sehe ich dieses Mal so viel mehr! Beim letzten Mal hatten sich die vielen Gletscher im Nebel und Regendunst versteckt. Nichts gesehen, nicht angehalten, vorbei gefahren.



Einen Vorgeschmack darauf, was ich zu sehen bekommen könnte, erhalte ich ganz früh am Morgen nach einer üblen Nacht in einem Zimmer, das kürzlich einen Raucher beherbergt hatte. An Schlafen ist nicht zu denken.






 


Alternativ genieße ich den Sonnenaufgang in Höfn mit Blick auf den Hafen und in Richtung der anstehenden Tour des Tages, die Gletscher satt verspricht!! Jökulsarlon und gleich danach, der „kleine Bruder“ in Sachen Gletscherlagune, Fjallsarlon, um dann an jedem Gletscher anzuhalten, wo es möglich ist. Ich bin überwältigt!


Jökulsarlon


Jökulsarlon


Eisberge am Jökulsarlon






Fjallsarlon


Eiderentenfamilie am Fjallsarlon


Svinajökull


Skaftafell


Genauso überwältigt hat mich einen Tag später die letzte Rumpelstreckenfahrt zum Campingplatz Þakgil. An der Zufahrt bin ich vor zwei Jahren mit dem kleinen Hyundai gescheitert. Für Suzie Q kein Problem. Wir haben beide die Strecke genossen. Allerdings ist jetzt der Sensor für das Kofferraumtürschloss ganz im Eimer, bzw. er funktioniert anders herum. Bisher leuchtete das Lämpchen als Bodenwellensensor auf, wenn es uneben wurde. Nach dieser letzten Fahrt leuchtet das Lämpchen konstant rot und geht nur noch aus, wenn ich in einem Schlagloch lande. Nette Variante. Dumm nur wenn ich das Auto schließen möchte. Die Zentralverrieglung funktioniert nicht bei Rotlicht.











Vik. Das schöne Wetter verzieht sich. Diesen hübschen kleinen Ort verbinde ich nach dem vierten Besuch weiter mit Kälte, Wind, Regen und nun noch mit einer kleinen unangenehmen Erfahrung der Marke: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint! Schade! Dafür war hier das Quartier wieder eine kleine Perle.


Die gute Tat und nun habe ich den Salat, ähm, den Gestank!

Genug von Vogelleichen auf den Straßen! Nicht zum ersten Mal saß ein Vogel (Möwe?) mitten auf der Straße!

verletzte Möwe?

Es wird gebremst – nicht immer, sonst gäbe es ja weniger plattes Federvieh – und man fährt um den Vogel herum. Warum manche Vögel immer wieder einfach so auf der Straße sitzen und nicht, schwupps – Auto kommt – wegfliegen (die Schafe laufen ja auch weg!), blieb mir lange ein Rätsel. Es war wieder soweit. Alle bremsten, fuhren einen Bogen, bis auf eine, meinereine. Ich fuhr an den Straßenrand und versuchte den Vogel an den Rand zu scheuchen.

Hmm, ging nicht so recht, Plan A gescheitert.

Plan B: Mich an meine Wellensittiche von anno früher erinnert und, ohne zu weiter nachzudenken, mit einem Griff meine Jacke aus dem Auto gegriffen, auf den Vogel geworfen und dem wurde es jetzt erst einmal Nacht. Das Viech geschnappt und an den Straßenrand gesetzt. Alles ging gut, für den Vogel. Blöd nur, dass beim „Tag werden“ der Vogelpopo noch auf meiner Jacke saß und meine linke Hand darunter. Muss ich weiter erzählen?

Wie ich diese Jacke entseucht bekomme, damit sie im Koffer transportfähig ist, muss mir erst noch einfallen. Meine Hand war selbst noch nach sechs- bis achtmal gründlich waschen und schrubben nicht wirklich geruchsfrei.



Ich erzähle die Geschichte meinem Gastherrn am Abend und er korrigiert mich erst einmal. Es war keine Möwe, sondern ein junger Basstölpel. Und ich soll glücklich sein, dass das Tier nur gepinkelt und sich nicht übergeben hätte. Dann hätte ich die Jacke wegschmeißen können. Ansonsten machen die Isländer kurzen Prozess mit den zu fett gewordenen Jung-Basstölpeln, denen es zu schwer fällt fliegen zu lernen. Mit dem Stock eins auf den Kopf und ab in den Topf. Mein Vogelfreundherz stolpert und als Vegetarierin wird mir schlecht.

Tags drauf sehe ich kurz nach meiner Abfahrt aus Vik, wie es einem Vogel genau so ergeht – Auto stoppt, jemand springt heraus, Stock geschwungen, Vogel geschnappt und ab damit in den Kofferraum, weiter gefahren. Mir wird wieder schlecht.

Ich hoffe, es ist nicht mein geretteter Vogel. Ihm wünsche ich schnelles Fliegenlernen, ganz viele erfolgreiche Fischjagden und ein langes Leben mit vielen kleinen schnell flugfähigen Jungen.



Meine Jacke stinkt so vor sich hin.



Ein neuer Tag.

Es regnet.


Halsanefshellir, kurz nach Vik - da möchte ich nicht vorbei fahren. Es ist Niedrigwasser und so können neben der Haupthöhle die anderen Höhlen mit Basaltsäulen erreicht werden. Was mir jedoch auffällt, mit Blick nach oben, sind die Unmengen an Vögel, die von den Felsen zum Meer und zurück fliegen - zu dieser Jahreszeit! In einer vor Wind und Regen geschützten Nische zwischen den Felsen warte ich auf eine Regenpause und beobachte weiter die Vögel. Schaue und warte. Wenn ich nicht wüsste, dass ab Mitte August die Papageientaucher Island verlassen, würde ich meinen, diese plumpen Objekte am Himmel mit hochfrequenten Flügelschlag sind Papageientaucher, puffins, lundis.
Konstanze, verzeih mir Regen hin oder her, aber ich brauche das Teleobjektiv als Fernglasersatz!
Boah, es sind Papageientaucher! Mengen! Hier und auch eine Station weiter in Dyrhólaey.





Viel sehe ich nicht auf der Weiterfahrt Richtung Westen. Am Myrdalsjokull fahre ich vorbei, genauso wie am Skogafoss. Es fällt so viel Wasser vom Himmel und es stehen so viele Busse auf den Parkplätzen, dass ich gar nicht erst anhalte.



Der Eyafjallajökull versteckt sich wie immer, wenn ich bisher vorbeigekommen bin, in Regenwolken. Dieses Mal schaue ich mir den 20-minütigen Film an um hinterher noch weniger von diesem Berg zu sehen.


Auf der Strecke folgen Schwemmlandebenen - auf der einen Seite das Meer, auf der anderen Berge. Mit jedem Kilometer rücken diese mehr zurück und nach dem Seljalandsfoss ist es so etwas von flach rundherum, dass nichts den Blick auffängt. Vogelschwärme, wie ich sie seit ich Kind war nicht mehr gesehen hatte, lenken zusätzlich ab. Doch nicht nur mich, wie manche Bremsspuren auf den Straßen verdeutlichen.



Das alles sehe ich jedoch erst am späten Nachmittag, nachdem ich mich für drei Stunden, aus dem Regen, dem Wind und der Nässe kommend, im Saga-Museum zu den Stickerinnen und Stickern gesetzt hatte. Dort wird seit zwei Jahren die Geschichte der Njals-Saga gestickt, ein Werk, das zum Schluss ca. 90m lang sein wird.


"mein" schlafender blauer Wikinger




Als sich am frühen Abend der Himmel tatsächlich aufklart fahre ich einen Teil der Strecke zurück. Freiwillig!

Ebene vor dem Seljalandsfoss in Richtung Þórsmörk

Auf dem Parkplatz am Seljalandsfoss herrscht zu dieser Zeit zwar keine gähnende Leere, doch es gibt wieder genügend Platz zum Parken und Laufen. Wieder eine Erfahrung mehr: Diesen Wasserfall sollte man wirklich erst abends besuchen.


Seljalandsfoss & Partner





Seljalandsfoss




Wehmut kommt auf. Einen Tag habe ich noch.




Diesen Beitrag werde ich noch überarbeiten und genauere Details zur Reiseroute geben.