Donnerstag, 30. April 2015

Reisen dokumentieren

oder ...

Meine (Reise-) Tagebücher - von Hand geschrieben, geschnippelt, geklebt ... und eine Fundsache

Ja, ich schreibe Tagebuch! Nicht immer, jedoch häufig. Oft nicht hübsch und geordnet, eher querbeet neben die Termine in einem Kalender gekritzelt, auf Zettel, Blöcke und Blöckchen, kariert, liniert, egal.  Spätestens zum Jahresende wird alles auffindbare noch hübsch hineingeklebt, oder auch nicht, und abgelegt.






Viel besser und mit viel mehr Sorgfalt führe ich meine Reisetagebücher!
Manchmal denke ich mir, meine ehemalige Klassenlehrerin steht hinter mir, wenn ich beim Schreiben bin. Denn sie war der Auslöser für meine Liebe Ausflüge und Reisen zu dokumentieren, mit allem drum und dran.
Es war eine Pflichtaufgabe im Herbst 1972, ich war in der 9. Klasse, für die zwei Wochen im Schullandheim in Südtirol ein Buch zu führen. Für jeden Tag musste etwas geschrieben, gezeichnet, fotografiert, gesammelt, und was uns sonst so einfiel erarbeitet werden.
Ich hatte das Glück eine Kamera zu besitzen, mein ganzer Stolz, erspart und erbettelt, eine pocket instamatic von Kodak - die mir in den letzten Tagen doch tatsächlich aus einer Kiste in die Hände fiel!! Irgendwie immer noch ein cooles Teil, finde ich.


Über die Qualität der Bilder spreche ich lieber nicht :D ! Filme und Entwicklung der Fotos sprengten schnell mein Taschengeldbudget, so dass ich eher selten und gut überlegt auf den Auslöser drückte.

Doch zurück zu meinem Erstlingswerk an Reisetagebuch, das ich immer noch besitze, inklusive der Korrekturen und der Note meiner Lehrerin, einer 2+.


Trotzdem ich damals von der Note enttäuscht war blieb ich dabei und sammelte, schnippelte, klebte, zeichnete weiter über die kleinen und großen Ausflüge und Reisen.



In den 1990ern änderte sich meine Berichterstattung für einige Jahre. Die Reiseberichte wurden minimiert und gezeichnet, wie auf diesen Beispielen von 1996 und 1998.



Doch inzwischen schreibe ich wieder mehr Text, hefte Fahrkarten fest, presse Blumen wie Blätter, die ich einklebe. Dazwischen wird ein wenig gezeichnet und gemalt, wie es mir gerade gefällt.














Als ich im Tagebuch diese letzten Seiten von meiner Osterreise arbeitete saß ich in einem Café. Irgendwann setzte sich eine junge Frau mit an meinen Tisch, die ihre Aufmerkamkeit anfangs zwischen ihrem Handy und der Tasse Kaffee vor ihr teilte. Je leerer die Tasse wurde umso öfter wechselte ihr Blick zu mir, so ein wenig verstohlen, aus den Augenwinkeln, man will ja nicht neugierig sein. Einen dieser Blicke fing ich dann lächelnd ab und es platzte aus ihr heraus:
"Ist das ein Scrapbook? Ist ja toll!"
"Nein, das ist ein Reisetagebuch!"
Zwei Aussagen, die nach ersten Irritation zu einem richtig schönen Gespräch führten, aus dem wir beide mit neuen Gedanken heraus gingen.

Natürlich kannte und kenne ich Scrapbooking, als Hobby, aus der Werbung und x Werbesendungen, die Unmengen an Bastelgebinde dazu anbieten. Ich bin nie auf den Gedanken gekommen meine Tagebücher damit in Verbindung zu bringen, da ich außer Masking-Tape nichts aus dem Scrapbooking-Ensemble verwende und ansonsten auf Reisen maximal Stift, Schere und Kleber dabei habe.
Ein wenig Wörterbuch-, Wikipedia- und Google-Recherche helfen zum Verständis nach: 
  • Scrapbooks waren ursprünglich Sammelalben.
  • Sammlerstücke sind wertvoll und werden entsprechend dekorativ, wertschätzend präsentiert
Laut Wikipedia waren Queen Victoria von England und Mark Twain Scrapbooker.

Aha!

Nach diesem wirklich interessanten Gespräch und den anschließenden Erkenntnissen aus meiner Internet-Recherche akzeptiere ich, dass diese (meine) Art meine Reiseberichte zu sammeln nicht mehr "Reisetagebuch" heißt sondern "Scapbooking".
So ganz nebenbei stelle ich mir vor, was aus dem Scrapbooking-Angebot Mark Twain auf einem Werbekanal zum Ausschmücken seines Tagebuchs Scrapbooks bestellt und verwendet hätte. :D




Montag, 27. April 2015

Das Rad läuft wieder, der Faden auch - es grünt - und überhaupt

oder ...

Ein Sonntag in drei Teilen

Mit etwas Verzögerung, am Montag, mein Sonntagsbericht - die Bahn kommt ja auch nicht immer pünktlich, der Bus auch nicht, die Flieger meist schon - deshalb, jetzt und hurtig, ...

Teil 1: Der Plan

Herrlich, so ein Sonntag! Entspannend, ohne Pflicht-ruft-Wecker aufzuwachen und die Augen nach der inneren Uhr aufklappen lassen zu dürfen! Sie Sonne scheint! Endlich wieder, draußen (in meinem frisch bepflanzten und inzwischen um-, wie aufgeräumten Balkonien!!) zu frühstücken! Seele baumeln lassen. Die Augen schweifen zwischen Frühstücksbrötchen, Zeitung und dem frischen Grün der Bäume umher. Körper und Geist genießt die Ruhe, bis die Überlegung nach Frühstücksende und der von Zeitungslektüre kommt: "Was machst du heute mit dem Rest des Tages?".

Einiges an Unerledigtem auf dem Schreibtisch fiel mir beim Aufräumen der Frühstücksutensilien ins Auge, vor allem der Stapel zur Steuererklärung. Es gibt tatsächlich Menschen, die solchen Kram gerne und zur Entspannung machen! Genauso, wie manch eine/r gerne bügelt, oder Fäden von fertig gestellten Pullovern vernäht! Bügeln hatte ich gestern erledigt, die Steuererklärung kann warten, die zu korrigierende Klassenarbeit auch, ein zu vernähendes Strickwerk habe ich (noch) nicht, stricken mag ich heute sowieso nicht. Ich komme mir, ganz kurz, beinahe wie meine Schüler vor: "Boah, alles langweilig!", wenn da nicht der Gedanke gekommen wär, einfach mal wieder das Spinnrad aus der Ecke zu holen und passend zum Frühlingsgrün vor der Tür noch etwas Garn in der Farbe zu verspinnen.


Guter Plan, denn sah es zum Frühstück noch herrlich draußen aus, kommen nun die per Wetterbericht versprochenen Tropfen von oben.


Teil 2: Die Crux mit der Technik und Frustausgleich mit Frosch

Meine Spinnräder, beide Ashford Traditionals, kommen eindeutig in die Jahre. Statt entspanntes Treten, Drehen, Surren, Spinnen, wie gewohnt, höre ich nach dem ersten Tritt auf das Pedal kein gutes Geräusch. Der Treibriemen reißt!
Kein Problem, ich habe immer einen als Ersatz in einer Schublade. Habe ich auch jetzt, den Ersatzriemen, bloß wo? Die gewohnte Schublade gehört nicht mehr zu meinem Haushalt! Als Teil zu einem Regal, das ich im Februar geräumt und den Inhalt entsorgt bzw. umgeschichtet hatte, befindet sie sich nun im Fachraum einer Kollegin.
Statt spinnen, suchen!
Erfolglos.
Weiter suchen oder ärgern, darüber, nicht doch ins Grüne gefahren zu sein, wie ganz ursprünglich geplant?
Eine Notlösung muss her:
  • alten Treibriemen neu verknoten - ist zwar etwas kurz zum knoten, aber irgendwie klappt es dann doch, mit dem Knoten, aber nicht mit der Funktionalität. Nach zwei Umdrehungen macht es wieder "tschock".
  • Treibriemen vom anderen Ashford-Spinnrad mit der großen Spule herunter geholt, auf das mit der kleinen gezogen, Knoten zu, drei Umdrehungen - nee, gibt's nicht, doch, ... "tschock".


  • ich zwirbel mir aus fester Baumwollschnur eine Kordel und versuche es mit dieser als Treibriemen. Es klappt, aber nun bockt das Rad an allen Ecken und Enden.
Ich drohe: "Wenn du mir nach fast 40 Jahren die Freundschaft aufkündigst wirst du verheizt!", gebe dem Teil Bedenkzeit und suche mir eine andere angenehme Beschäftigung in grün. Die finde ich beim weiteren Sichten und Aufräumen des gefühlten Kilo Fotos aus Spanien. Mir hatten es, wie letztes Jahr, wieder die Frösche im Garten meiner Freundin angetan:
Allein, oder im Team, immer eine (grüne) Augenweide!




Inwischen wieder beruhigt setze ich mich ans Spinnrad und stelle fest, es schnurrt wieder! Ich zweifle nicht mehr daran, ob Spinnräder hören können - meines kann und wollte nicht in den mit Asche verbundenen Teil des Energiekreislaufs versinken.




Teil 3: Alles wird galaktisch gut!

Zwischen Froschbildern und froschgrünem Spinnwerk fällt mein Blick in das Fernsehprogramm! Wow, Freude kommt auf, denn Tele 5 bringt echten Kult auf seinem Kanal: Raumpatrouille Orion.
Wer sich erinnern kann, hier waren die Frogs die Bösen! Wenn das nicht auf den heutigen Tag passt?!
Der Kater setzt sich schon einmal zurecht, ...


... denn ich hole mir noch was grünes zum knabbern.

Dieser Film (übrigens in schwarz-weiß) beginnt mit einer Nachrichtensendung, der Sternenschau, der eine galaktische Werbung folgt:
"Sie lieben Schwarz-Weiß-Filme? Wir auch!"

Ich liebe diese Szene! Und wechsle dazu die Farbe meines letzten Bildes in den Kultmodus! :D


Hach! Herrlich!!



Samstag, 25. April 2015

Wandern in den Pyrenäen

oder ...

Rund um den Pantà de Sau

Inzwischen sind zwei Wochen vergangen, seit ich von einem Besuch bei meiner Freundin in Spanien zurück bin. Das gefühlte Kilo an Fotos dümpelt auf dem Rechner und die Erinnerungen verblassen langsam im Alltag. Heute waren die Urlaubsbilder sofort wieder präsent, als ich mich mit einer lieben Nachbarin über unsere vergangenen Urlaube unterhielt. Sie hantierte gerade mit ihren Frühjahrsblumen in einem Gartenstück, wir sprachen darüber, wie unterschiedlich weit die Vegetation hier und dort ist und da waren sie wieder, zuerst in meinem Kopf und dann am Bildschirm, die Bilder von meinem Ausflug in die Pyrenäen.

Unvergesslich sind mir vor allem die Mengen an wilden Narzissen und Traubenhyazinthen. Wiesen voll davon, zwar winzig, doch durch die Anzahl überwältigend.



Wer mich kennt weiß es, Berge sind nicht so meine Sache. Sie sehen hübsch aus und bis zu einer gewissen Höhe mag ich sie auch. Doch spätestens ab 1800 m geht es mir nicht mehr gut, da ich zu den Spezies gehöre, die schon unter 2000 m an Höhenkrankheit leiden. Das ist Stress für mich, aber auch für meine Mitreisenden. Sehr schade, denn Nepal und Tibet sind somit aus meiner Traumreiseliste gestrichen. Aber vielleicht, mit entsprechender Vorbereitung und ganz, ganz viel Zeit, wer weiß.

Zurück zu Spanien und den Pyrenäen.
Nach meinem Sturz eine Woche vor der Reise hatte ich meine Wanderschuhe gar nicht erst eingepackt. Wer mit Rückenprellungen keine Treppen steigen kann (und seinen Koffer in gebückter Haltung nicht vom Rollband bekommt) denkt nicht an Wandern in den Bergen. Nicht im Traum!

Ich hatte diese Rechnung ohne meine Freundin und ohne ihre nette Wandertruppe gemacht, denn bei deren Überredungspotential wird selbst eine Lahme schwach.
So ging es dann von der Costa Brava, wo meine Freundin lebt, zuerst nach Vic und von dort aus zum Stausee Pantà de Sau. Treffpunkt und Start der Wanderung war ein Palador-Hotel, dass zum Träumen und Übernachten einlud.


Wer möchte nicht mit solch einem Blick abends einschlafen und morgens aufwachen?


Von hier aus ging es zu siebt plus Hund zu Fuß querfeldein zum Kloster Monestir de Sant Pere Casserres. Die ersten dreißig Minuten ging es moderat bergauf und -ab.

links das Kloster und in der Ferne die Gipfel der Pyrenäen
Meine Prellungen und ich fanden uns mit dem Schmerz ab, denn die Aussicht auf Stausee und Gebirge war bei Sonnenschein mit leichter Brise einfach nur schön. Ansonsten half die prophylaktisch eingenommene Ration Ibuprofen, bis wir vor einem Steilstück standen.
Wenn ich alleine unterwegs gewesen wäre, hätte ich den Rückzug angetreten. Aber jetzt stand ich hier, überredet zur Teilnahme an der Wanderung, mit Panik im Nacken und Schmerz im Rücken - trotzdem wurde der Buckel nicht flacher, der Weg nicht breiter und mir stand schon beim Gedanken: "Da geht es hoch!" der Schweiß auf der Stirn.

Ich kam den Weg hoch, mit Unterstützung. Vorn gezogen und von hinten geschoben ging es, irgendwie, auauau, voran. Dazu noch ordentlich die Zähne zusammengebissen, man will ja nicht öffentlich aufgeben und überhaupt, von so ein bisschen Prellung lässt sich meinereine doch nicht unterkriegen.
Tja, nun, die nächsten Tage habe ich einen Zahnarztermin. Eine Keramikverblendung von einem Zahnkrone hat den Stresstest nicht gut überstanden.

Am Kloster angekommen standen wir leider vor einem geschlossenen Cafe und geschlossenen Toren. Alles geschlossen in der Woche nach Ostern. Schade.

Doch so hatten wir auf dem Weg zurück zu unseren Autos und vor dem Mittagessen etwas mehr Zeit, die ich auch mit der Kamera nutzte.


Vieles, was rechts und links am Wegrand blühte, findet sich auch in den Wäldern hier, wie Veilchen, Buschwindröschen, Schlüsselblumen und Leberblümchen.


 Keiner von uns rechnete jedoch damit in dieser Höhe mit Kakteen auf einer Waldlichtung.


Nach der Mittagspause erkundeten wir mit dem Auto den Stausee und fuhren dazu auf Straßen, bei denen man hofft keinen Gegenverkehr zu haben.

 

Wie beim Reschensee in Südtirol schaut auch hier beim Pantà de Sau der Kirchturm einer überfluteten Ortschaft aus dem See heraus. Laut Wikipedia ist der Kirchturm selbst bei voller Füllhöhe des Stausees 2 Meter hoch zu sehen. Wir sahen gerade mal die Spitze des Turms und den Hahn in der Sonne blitzen.


Weiter ging es über schmale Straßen und schmale Wege, querfeldein, bis wir anhielten um einen letzten Spaziergang zu einem Wasserfall zu machen.

Auch hier blühten wieder Mengen an wilden Narzissen. Winzig, im Vergleich zu den Exemplaren, die in unseren Gärten wachsen. Um sich die Größe besser vorstellen zu können, habe ich hier rechts neben den Blüten eine 1-Euro-Münze gelegt.





Hier noch Wiesen voller Narzissen und eine Kopfdrehung weiter öffnet sich eine grandiose Landschaft.








Und zu diesem kleinen Bäumchen, auf dem Felsen links, machten wir uns auf den Weg.



Vorbei an dem Wasserfall, der leider zum späten Nachmittag im Schatten lag, ...


... kamen wir zum Aussichtspunkt.

 
Zum Abschluss dieses Ausflugs hielten wir noch in Rupit, einem lohnenswertem Ausflugsziel, bevor es abends noch vor dem Sonnenuntergang im Schatten versank.


Müde schlenderten wir durch die Gassen der malerischen Felsenstadt, durch die ein Wildbach fließt.
Über eine Hängebrücke kann man diesen überqueren und dabei auch ein wenig besser die kunstvoll angelegten Gärten an den Häusern bewundern.


Zu der Uhrzeit, als wir ankamen, war die Ortschaft schon von allen Touristen verlassen. So hatten wir Zeit und Muße die alten, liebevoll hergerichteten Gebäude zu genießen und zu bewundern.


Besonders viel Spaß hatten wir an den üppigen Auslagen und Fenstern mit Kitsch und was sonst dazu gehört.