Sonntag, 25. November 2012

Pomander ...

oder

... wie meine Familie sich auf Weihnachten vorbereitet


Beinahe hätte ich es wieder verpasst, den richtigen Zeitpunkt vor Weihnachten Pomander anzusetzen. Pomander waren ursprünglich filigrane metallene Kugeln, die mit duftenden Kräutern, Essenzen und anderen wohlriechenden Stoffen gefüllt und am Körper getragen worden sind. Heute noch bekannt sind die mit Nelken gespickten Zitrusfrüchte, die nach dem Spicken für eine Weile noch in Gewürzmischungen eingelegt präpariert werden. Letzteres braucht eine Weile, weshalb es wichtig ist Mitte November mit der Herstellung anzufangen:
erstens kann man sie vor Weihnachten noch genießen, und
zweitens ist man dann sicher, wenn man die Pomander verschenken will, dass sie tatsächlich präpariert sind und nicht faulen. Das passiert nämlich leider auch und ich rechne immer mit 1/4 Ausschuss.

Ok, wir haben Ende November und, wie eingangs schon gesagt, ich hatte es auch beinahe vergessen. Wenn da nicht seit Wochen, genauer gesagt seit Anfang Oktober, eine Mandarine in meiner Küche liegen würde und ihr Aussehen seither in keinster Weise verändert hat. Wie lange hält sich eigentlich eine Mandarine, einfach so herumliegend in, anfangs Wohnzimmer- später Küchenambiente? Auf jeden Fall war mir das Verhalten dieser Mandarine seit Anfang November schon zu suspekt, um sie in meine Frühstücksbrot-BentoBox zu packen.
Heute war ich dann soweit um das orangefarbene Soll-eine-Mandarine-sein in den Müll zu befördern. Den Biomüll wollte ich mit einem Ding nicht belasten, das nicht zur Trocknung, Schrumpeln oder Fäulnis neigt.

Der Eimer war schon offen, das Soll-eine-Mandarine-sein in meiner Hand, als mir einfiel: Pomander, uih, vergessen!
Eimerdeckel zu und ich dachte mir: Vielleicht habe ich mit dieser Mandarine zu 100% Erfolg mit einem Pomander. Die fault ja selbst so schon nicht. Aber ob sie sich präparieren lässt?

Meine Soll-eine natürliche-Mandarine-sein

Man braucht für eine Pomander:

  • 1 Zitrusfrucht, vorzugsweise Orangen oder Mandarinen
  • jede Menge Gewürznelken

Ich besorge mir meine Gewürznelken in der Regel in Asia-Läden, dort gibt es sie in größeren Gebinden und günstiger, als in unseren Lebensmittelläden.

Zum Spicken ist eine dünne Stricknadel hilfreich, vor allem bei den dickschaligen Zitrusfrüchten. In die vorgestochenen Löcher wird jeweils eine Gewürznelke gedrückt.
Wenn später zum Aufhängen ein Band um die Frucht gewickelt werden soll, klebe ich mit Klebeband die Bereiche ab.
Wichtig ist die Nelken ist nicht zu dicht zu stecken. Sie sollten sich nicht berühren. So ist Platz zwischen den Nelken, dass die Gewürzmischung beim Einlegen an alle Stellen der Frucht kommen kann. Auch schrumpfen die Früchte durch Trocknung beim Einlegen und später noch an der Luft.


Ist die Frucht fertig gespickt gebe ich sie in ein geschlossenes Gefäß oder eine fest zu verschließende Plastiktüte und fülle die Gewürzmischung darüber.

Für die Gewürzmischung verwende ich:

  • 8 Teile Zimt
  • 4 Teile gemahlene Nelken
  • 2 Teile gemahlenen Ingwer
  • 1 Teil gemahlene Muskatnuss
  • 1 Teil gemahlener Piment (Nelkenpfeffer)

Wenn ich von der Weihnachtsbäckerei noch Gewürze übrig habe schütte ich sie meist auch noch dazu.

Eigentlich gehört in die Mischung statt dem Ingwer gemahlene Iriswurzel. Irgendwann hat jedoch meine Apothekerin bei meiner Bestellung der Gewürze so etwas von die Augen verdreht, weil ich die doppelte Menge bestellt hatte. Tage später bat sie mich in ihr Kämmerchen um mir zu demonstrieren, was für ein Aufwand es ist Iriswurzel zu mörsern und zu mahlen. Das Jahr darauf machte ich das selbst und danach war ich mir sicher, dass es den Aufwand nicht wert ist - Ingwer also!


Nun muss ich alle paar Tage das Glas etwas schütteln, damit die Frucht von allen Seiten gleichmäßig mit der Gewürzmischung präpariert werden kann. In drei Wochen sollte die Frucht dann zum Dekorieren oder Verschenken fertig sein.



Dafür fand unser Familien-Weihnachtsbacken zum üblichen Zeitpunkt in kleiner Besetzung dieses Jahr statt. Seit Jahren hat es sich für meine Kinder und mich einfach ergeben: Wir backen am Samstag vor dem 1. Advent. Da hat in der Regel jeder von uns Zeit und die Weihnachtsfeiern von Schulen, Vereinen, Freunden und Bekannten können dann stressfrei die Wochenenden blockieren. Mein Sohn konnte zwar nicht einfach mal so kurz vorbeikommen, aber er hielt im fernen Island den Back-Termin überpünktlich ein um mit seinen neuen Bekannten Weihnachtkekse nach Art des Hauses Brinker zu backen.

Drei Sorten gibt es bei uns jedes Jahr:

  • Kokosmakronen
  • Vanillekipferl
  • Pfefferkuchen nach schwedischem Rezept, pepparkakor

Dieses Jahr fielen die Kokosmakronen so gut aus, dass deutlich weniger übrig blieben und ich vor lauter Naschen das Fotografieren vergaß. Aber, Tradition sei Dank, es gibt ja noch Aufnahmen vom letzten Jahr.

Kokosmakronen

So war es gut, dass die Vanillekipferl deutlich weniger Bruch beim Wälzen im Vanille-Puderzucker hatten. Da die Bruchstücke genascht dürfen genascht wurden so unsere Bäuche und Hüften geschont.

Vanillekipferl

pepparkakor

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