Dienstag, 18. Oktober 2011

Weihnachtsgeschenke 2011 #1

oder:

Die einsame Socke


Mein Weihnachten sieht vor, dass wenn geschenkt und beschenkt wird die Geschenke mindestens zu 50 % aus der eigenen Werkstatt stammen müssen. Zielwert sind die 100 %, doch da Weihnachten und die Adventszeit eine Zeit der Muße, Besinnung und Ruhe sein sollen will ich mich nicht unter Stress setzen und bleibe bei einer Vorgabe, die zu schaffen ist und meist überboten wird. Das führt zu einem positiven Gefühl :-) - mein persönliches Nikolausgeschenk. Weil es einfach dazu gehört stürze ich mich natürlich auch den einen oder anderen Tag in Kaufhäuser, Läden und Weihnachtsmärkte. Doch mit mir lässt sich kein Weihnachtsgeschäft ankurbeln und Umsatz machen.

Es ist Mitte Oktober. Längst kann man sich in den Supermärkten mit Dominosteinen, Stollen und Lebkuchen eindecken. Erste Weihnachtsmänner grinsen einen an. Und ich weiß von Menschen, die jetzt schon ihre Geschenke für den Gabentisch komplett haben. Weihnachten beginnt für viele schon im frühen Herbst.

Doch ich begann dieses Jahr schon viel früher.
Meine Weihnachtsvorbereitungen begannen im Januar! Ich hatte Großes vor nach dem strengen Winter 2010/11. Das Ziel war: Stricksocken für alle! Pro Monat ein Paar schien problemlos machbar in Rückbesinnung auf meine Silvester-Neujahrssocken, die ich früher fabrizierte – einen Socken im alten Jahr und den anderen an Neujahr. Die Idee fand auch in der Familie Anklang, also begann ich wie gesagt im Januar.

Mitte Januar fragte mich meine Mutter ob ich nicht ein Paar Socken außer der Reihe schon jetzt für ihre Schwester stricken könnte. Sie klagte über kalte Füße und ihre gestrickten Socken, die sie gerne im Bett anzieht hätten schon einmal bessere Tage gesehen. So versuchte ich das angefangene Paar Strümpfe durch festeres Stricken und dünnere Stricknadeln im Fußbereich an die schmalen kleinen Füße meiner Tante anzupassen. Das klappte natürlich nicht und ich hatte ein seltsam geformtes, nicht verschenkbares Sockenpaar produziert. Meine Tochter nahm es dann mit. Ihr passte es gerade mal so und zuhause oder im Stiefel sieht ja keiner die Ungebilde. Hauptsache es wärmt.

Zweiter Anlauf.
Die erste Socke war ruckzuck fertig. Von Anfang an mit weniger Maschen gestrickt klappte es auch mit den Proportionen von Bein- und Fußteil. Alles perfekt.
Die zweite Socke zog sich zwar etwas – man hat ja auch noch anderes zu tun, als Socken stricken und es war Zeugniszeit – doch sie wurde noch im Februar fertig. Grundsätzlich war das Ziel erreicht: Ein Paar Socken in einem Monat.
Beim Vernähen der Fäden kam mir jedoch etwas seltsam vor. Der Schaft bzw. das Beinteil von einem Socken sah deutlich schmaler aus als beim anderen. Beim genaueren Hinsehen hatte ich meine vorgezogene Bescherung! Ich hatte bei einem Socken ein anderes Strickmuster verwendet und so kein Sockenpaar sondern zwei unterschiedliche Socken.

Mir war nach Fluchen, Schimpfen, Tassen zertöppern. So blond kann doch selbst die blondeste Blondine nicht sein! Ich war es aber.

Mit Todesverachtung strickte ich einen passenden weiteren Socken in einem der Muster. Sämtlicher Spaß war mir vergangen. Ich strickte nur weiter um dieses eine Paar zum Ende zu bringen. Mitte März war es dann pünktlich zu Tantes Geburtstag fertig. Ob sie ihre Socken anzieht weiß ich nicht. Auf meine Sockenkiste legte ich vorerst einen Deckel und schob sie in eine Ecke, wo ich sie jetzt wegräumen muss um Platz für einige Balkonpflanzen zum Überwintern zu machen.

Socken für alle wird es dieses Weihnachten nicht geben.
Es bleibt eine einsame übrig gebliebene Socke aus den Anfangstagen und eine eigentlich gute Idee.


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